21. März 2010

Las Fallas in Valencia - eine Woche Ausnahmezustand!!

So, nun ist auch dieses Spektakel schon wieder vorbei: Las Fallas. Dieses Frühlingsfest findet in Valencia jedes Jahr vom 15.-19.3. statt und in dieser Zeit herrscht wirklich Ausnahmezustand in der ganzen Stadt. Sinn dieses tagelangen Festes ist es, den Winter zu vertreiben und den Frühling zu begrüßen - so die Tradition. Es ist das Fest des Feuers und vor allem des Lärms, kurz gesagt: laut, bunt und einfach nur verrückt! Und das Wichtigste: In dieser Woche ist Uni frei, darum konnten wir dieses Fest wirklich in vollen Zügen genießen :)

Was genau sind die Fallas:
Die Tradition dieses Frühlingsfestes begann bereits im 18. Jahrhundert, wo die Zimmerleute zu Beginn des Frühlings Holzgestelle für Kerzen und Lampen vor ihren Häusern verbrannten, da sie für diese während des Sommers keine Verwendung mehr hatten. Mit der Zeit wurden auch Tische, Stühle und andere Gegenstände aus Holz als Zeichen des Frühlingsbeginns in den Straßen verbrannt. Nach und nach wurden aus diesen Gegenständen Figuren bzw. Skulpturen errichtet und die Verbrennung regelrecht zelebriert. Heute bestehen diese Figuren und Kunstwerke (=Fallas) aus Pappe, Holz, Papier und haben mit dem eigentlichen Grund der Verbrennung, dass die Gegenstände während des Sommers nicht gebraucht werden, nichts mehr zu tun. Überall in den Straßen von Valencia findet man in der Fallas-Woche diese Skulpturen, die durch ihre Größe, Details und Kreativität wirklich beeindrucken. Meist werden  aktuelle gesellschaftliche oder soziale Situationen, Politiker, Sportler oder auch einfach nur Märchenfiguren als Vorbild für die Fallas verwendet und karikiert:

Diese haushohen Skulpturen, die zwischen 10 und 26 Meter hoch sind und an denen meist bis zu einem Jahr gearbeitet wird kosten nicht selten bis zu 100.000 Euro und wiegen mehrere Tonnen. Was für mich einfach unbegreiflich ist: Sie werden nach nur 4 Tagen, in denen sie in der Stadt stehen, einfach wieder verbrannt! So wie es eben die Tradition verlangt. In der Nacht zum 15.3. werden sie überall in den Straßen Valencias aufgestellt, nur um sie dann am 19.3. um Mitternacht unter tosendem Applaus wieder zu verbrennen! Dieses Spektaktel zieht pro Jahr bis zu 2.5 Millionen Besucher nach Valencia und besteht nicht nur aus den unglaublichen Figuren, sondern auch aus bunten Umzügen, Musikkapellen, wunderschönen Trachten und wie gesagt jeder Menge Lärm. Täglich gibt es mehrere Feuerwerke - am Abend die bunten, wunderschönen ("Castillos") und am Tag die sehr lauten Konzerte aus Krachern und kleinen Bomben (so klingt es zumindest), diese werden "Mascletas" genannt. Es wird dabei eine Lautstärke von bis zu 117 Dezibel erreicht.


Einfach Videos angucken, denn man kann zumindest eine Mascleta nicht beschreiben, man muss sie erlebt haben. Dieses "Krach-Feuerwerk" ist so mächtig und laut, dass man es noch mehrere Kilometer entfernt wahnsinnig laut hört und wenn man direkt dort am Platz steht, bebt der ganze Körper! Einfach unbeschreiblich!! Außerdem kracht es die ganze Woche rund um die Uhr in den Straßen: die Valencianer lieben alles, was mit Lärm und Krachern zu tun hat und das merkt man auch! Schon Kleinkinder laufen mit Knallfröschen herum bzw. werfen diese aus dem Kinderwagen. 5-jährige sitzen auf der Straße und werfen Schweizerkracher und die Eltern finden es vollkommen in Ordnung, wenn neben ihren Babies extrem laute Knallkörper oder eine Mascleta abgefeuert wird. Egal ob beim Einkaufen, Sightseeing oder einfach nur beim Bummeln, Kracher fliegen im Sekundentakt durch die Luft und man steht als Nicht-Einheimischer dauernd unter Spannung, denn es kann jederzeit ein Kracher direkt vor den Füßen explodieren - was eben für die Valencianer völlig normal ist! Wirklich irre! :)

Der Motor dieses ganzen Festes sind die fast 150.000 Mitglieder der verschiedenen Fallas-Vereine in Valencia. Jedes der knapp 40 Stadtviertel hat einen eigenen Fallas-Verein, der das ganze Jahr über nur auf diese 4 Tage im März hinarbeitet. Die Figuren werden entworfen und gebaut, Feste werden veranstaltet, um Geld für das große Spektakel zu erwirtschaften, Musikkapellen werden zusammengestellt, etc. Das ganze Jahr über wird kräftig an den Vorbereitungen gearbeitet, nur um dann 4 Tage lang ein perfektes Fest feiern zu können! Die Falleras sind ebenfalls ein wichtiger Teil der Fallas. Die Falleras sind Frauen, die eine wunderschöne valencianische Tracht tragen und sich und ihren Verein bei den täglichen Umzügen durch die ganze Stadt präsentieren. Jeder Verein kürt ihre "Fallera", die sich dann der großen Wahl zur "Fallera Mejor" stellt, die das Fest dann während der ganzen Woche repräsentiert.

Der Höhepunkt der Fallas ist dann die Verbrennung der Fallas-Figuren in den Straßen. In der Nacht zum 20.3. steht ganz Valencia in Flammen! Überall in den Straßen werden um Mitternacht die Fallas angezündet - was richtig gefährlich und vor allem extrem umweltschädlich ist! Da diese Figuren aus Styropor, Pappe, Holz, Farbe und Lack bestehen, hängt über der ganzen Stadt stundenlang dunkler, schwarzer Rauch, der am nächsten Tag in Form von schmutzigem Regen wieder vom Himmel kam. Aber Tradition ist Tradition - Umweltschutz mal ausgenommen :)

Das waren also die Fallas 2010 in Valencia - wirklich eine verrückte Woche! Es war laut, bunt, schrill, unbeschreiblich schön und einfach nur wahnsinnig beeindruckend. Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Eindruck von diesem berauschenden und farbenprächtigen Fest geben. Doch um Fallas verstehen und begreifen zu können, muss man selbst hier gewesen sein!! :) Also wir sehen uns dann alle zu den Fallas 2011 in Valencia - ich werde bestimmt wiederkommen!

Beso, Gerda


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